Leistungsdiagnostik – Welche Werte sagen was aus?

Viele Daten, viele Kurven, viele Zahlen. Nach einer Leistungsdiagnostik hat man nicht nur seine neuen Trainingsbereiche, sondern häufig auch viele Fragen. Wir erklären euch kurz und bündig welche Werte was bedeuten.

Herzfrequenz

Die Herzfrequenzmessung ist das meistverbreitete Mittel zur Belastungskontrolle in Wettkampf und Training und dennoch wissen die wenigsten Sportler, wo ihre optimalen Pulsbereiche fürs Training liegen. Im Training oder bei einer Diagnostik ist es nicht möglich, nur anhand der Höhe des Pulses festzustellen, wo die optimale Belastungsintensität liegt. Die Höhe des Pulses im Vergleich mehrerer Sportler sagt zudem auch nichts über deren Leistungsfähigkeit aus. Der Grund liegt darin, dass der Ruhe- und Maximalpuls von Sportlern sehr individuell ist. Die maximale Herzfrequenz kann bei gleichaltrigen Sportler zwischen 160 und 240 Schlägen/min schwanken. Von Formeln zur Berechnung der Pulsbereiche sollte man also die Finger lassen.

Laktat

Laktat ist ein Stoffwechselprodukt, das beim anaeroben Abbau von Kohlenhydraten entsteht. Auch bei aeroben Belastungen wird vom Körper etwas Laktat gebildet, was aber problemlos wieder verstoffwechselt werden kann. Laktatbildung und –abbau stehen also im Gleichgewicht. Erst wenn die Belastung für den Sportler zu hoch wird, steigt der Laktatwert deutlich an. Laktat kann vom Körper sogar wieder verarbeitet werden und als Energielieferant dienen.

Individuelle anaerobe Schwelle

Ist die Belastungsstufe, bei der der Körper das anfallende Laktat gerade noch verstoffwechseln kann. Bei höherer Belastung kommt es zur starken Laktatanhäufung und somit zur Übersäuerung der Muskulatur. Die individuelle anaerobe Schwelle wird für die in der Diagnostik gemessenen Laktatwerten mithilfe eines sogenannten Laktatschwellenmodells mathematisch berechnet. Wie hoch der Laktatwert an der Schwelle ist, hängt von Ernährung, der individuellen Veranlagung und der Sportart ab.

Fixe Laktatschwelle

Anhand einer fixen Laktatschwelle kann im Längsschnitt die Leistungsentwicklung eines Sportlers festgestellt werden. Läuft ein Sportler im ersten Test 10km/h an der 2mmol/l-Schwelle und beim zweiten Test nach zum Beispiel nach 3 Monaten 11km/h, kann ein deutlicher Leistungsfortschritt verzeichnet werden. Gängige fixe Schwellen liegen bei 2 und 4mmol/l, der Schwellenwert kann vom Diagnostiker theoretisch aber beliebig gesetzt werden.

Maximale relative Sauerstoffaufnahmekapazität (VO2max)

Die relative VO2max gibt an, wie viel Sauerstoff ein Sportler maximal unter Belastung verwerten kann. Zum Vergleich zwischen mehreren Sportlern wird die absolute Sauerstoffaufnahmekapazität auf das Körpergewicht des Sportlers bezogen. Hochleistungssportler liegen bei 70-90ml/kg/min, untrainierte Menschen bei etwa 25-35ml/kg/min. Die Messung der maximalen Aufnahmekapazität ist mit einer Spiroergometrie möglich, hat aber weniger Aussagekraft als ihr nachgesagt wird. Gerade bei gut trainierten zeigen sich Leistungsfortschritte oft nicht in einer Verbesserung der VO2max, sondern eher in einer Verbesserung der prozentualen Ausnutzung im Bereich der Schwellenleistung oder in einer Verbesserung der Bewegungsökonomie.

Übrigens sind die Daten der Spiroergometrie von der Ernährung stark abhängig – so sieht man an den Werten zum Beispiel, wenn jemand vor dem Test Einfachzucker gegessen (oder getrunken) hat, oder generell „low carb“ isst.

Atemfrequenz

Ist die Anzahl der Atemzüge pro Minute. In Ruhe atmet der Mensch pro Minute etwa 11-15 Mal ein und aus. Die maximale Atemfrequenz unter Belastung kann bis zu 60 Atemzüge pro Minute betragen. Über die Leistungsfähigkeit sagt die Atemfrequenz alleine jedoch relativ wenig aus.

Atemminutenvolumen

Setzt sich aus Atemfrequenz und Atemzugvolumen zusammen und kann beim normalen Menschen 120-140 l/min betragen, Hochleistungssportler können bei Maximalbelastung bis zu 250l/min erreichen. Das Atemzugvolumen ist die Menge an Luft, die pro Atemzug ein- und ausgeatmet werden kann. In Ruhe beträgt das Atemzugvolumen etwa 500ml, unter Belastung steigt die Menge auf etwa 3,5-5l an.

Respiratorischer Quotient (RQ)

Der Quotient aus Kohlendioxid-Abatmung und Sauerstoff-Einatmung wird bei einer Atemgasanalyse zur direkten Messung des Kohlenhydrat- bzw. Fettstoffwechsels verwendet. Ein RQ von 0,7 bedeutet, dass momentan 100% der benötigten Energie aus Fetten bezogen wird. Ein RQ von 1,0 bedeutet, dass 100% der gerade benötigten Energie aus Kohlenhydraten bezogen wird. Wird die Belastungsintensität deutlich anaerob (über der Schwelle) kann der RQ sogar deutlich über 1,0 ansteigen, da zusätzlich das anfallenden Laktat im Blut gepuffert und verstoffwechselt werden muss. Anhand des RQs lassen sich somit die optimalen Trainingsbereiche eines Sportlers bestimmen und im Längsschnitt lässt sich hervorragend die Leistungsentwicklung beurteilen.

Body-Mass-Index (BMI)

Der Body-Mass-Index ist ein Anhaltspunkt zur Beurteilung des Körpergewichts. Mittels der Formel (Körpergewicht in kg) / (Größe in m)2 erhält der gesunde Durchschnittsmensch einen Wert von ca. 20-25. Allerdings berücksichtigen die Werte nicht die individuelle Veranlagung oder die Körperzusammensetzung. Beispiel: Ein muskulöser Mann, der bei 1,80m 90kg wiegt, hat den gleichen BMI wie der gleich große und schwere Couch-Potato.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gibt folgende Richtwerte an:

Kategorie           BMI (kg/m²)

Starkes Untergewicht     < 16

Mäßiges Untergewicht     16 – 17

Leichtes Untergewicht     17 – 18,5

Normalgewicht       18,5 – 25

Präadipositas       25 – 30

Adipositas Grad I       30 – 35

Adipositas Grad II       35 – 40

Adipositas Grad III       ? 40

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