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HUUB - die neuen Neos im Test

Für 2020 ist erstmals der britische Triathlonspezialist HUUB in unserem Testsortiment vertreten. Benannt nach dem Wissenschaftler Professor Huub Toissant, der maßgeblich für die Entwicklung der Neos verantwortlich ist, sieht sich der Hersteller als Vorreiter für technische Innovationen rund um Neoprenanzüge. Ob die neuen Anzüge ihr Versprechen einhalten, lest ihr in folgendem Testbericht.  

Foto: triathlon.de

Aegis III, Varman & Brownlee Agilis

So heißen die HUUB-Modelle, die im deutschsprachigen Raum noch nicht so geläufig sind. Das könnte sich ändern. Wie auch die meisten anderen Neoprenmarken bedient HUUB mit seinen Modellen die drei gängigen Kategorien:

  • Einsteiger: Aegis III
  • Mittelklasse/Allround: Varman
  • Topmodell: Brownlee Agilis (Namensgeber ist tatsächlich das Triathlon-Brüderpaar Brownlee)

Wir haben die Anzüge in der Reihenfolge vom Einsteiger- bis zum Topmodell getestet. Ausschlaggebend waren einerseits harte Fakten: wie schnell schwimme ich / wieviel Zeit spare ich mit dem jeweiligen Anzug. Andererseits spielen "weiche" Kriterien eine ebenso große Rolle: wie gut läßt sich der Neo an- und ausziehen, wie ist der Tragekomfort, Passform oder Flexibilität?

Aegis III - der Einsteiger

Einsteigerneos sind stark auftriebsorientiert und eher robust als flexibel - dieses Klischee erfüllt der Aegis III glücklicherweise nur bedingt. Ja, der Auftrieb wird durch die bloße Materialstärke von 5mm im Bereich der Hüfte & Oberschenkel erzeugt. Das macht viele Neos aber fester, das Material wirkt weniger elastisch, der Neo läßt sich einfach schwerer an- und ausziehen. Dieser Eindruck bestätigte sich beim Aegis ganz und gar nicht.

So schnell ist der Aegis III:

Die Zeitersparnis ergab im Schnitt 7-8 Sekunden auf 100m. Geschwommen wurden 400m zunächst ohne Neo zur Ermittlung der Referenzzeit. Anschließend 400m mit dem Aegis III in der (gefühlt) gleichen Anstrengung. Die 400m Zeit mit Neo lag insgesamt 30 Sekunden unter der Referenzzeit.

Das Material fühlte sich erstaunlich weich an und ließ sich gut und problemlos an alle Körperstellen ziehen, wo es hingehört. Die Passform insgesamt eng, aber nicht unangenehm beklemmend. Im Wasser dann der erste Aha-Effekt: gefühlt wurde das Material weicher und elastischer. Dadurch liegt der Neo entspannter am Körper an, läßt sich noch einmal gut verschieben. Doch Vorsicht: der Neo muss an Land stramm sitzen. Wer hier zur Wohlfühlgröße greift, hat im Wasser zu viel "Spiel" im Neo - zu viel Wasser dringt dann ein.

Das Schwimmverhalten gestaltete sich erwartungsgemäß auftriebsstark. Hüfte und Beine liegen ohne Anstrengung an der Oberfläche, können für die Aufrechterhaltung der Wasserlage fast vernachlässigt werden. Gute Schwimmer werden hierbei allerdings Probleme haben, die Beine noch im Wasser selbst zu halten. Der Vortrieb über den Armzug fühlte sich leichtgängig an, schnell waren die ersten Bahnen problemlos abgespult, die Schwimmlage blieb auf einem konstant hohen Niveau. Mit abnehmender Kraft in Armen macht sich das Material in den Schultern dann doch irgendwann bemerkbar - für Triathloneinsteiger auf Volks- und olympischen Triathlons lassen sich diese "kurzen" Schwimmdistanzen aber sehr gut und effizient bewältigen. Schnelle Wechsel sind mit dem Aegis III kein Problem - der Neo ließ sich schnell und ohne Hindernisse vom gesamten Körper abstreifen. Ohne Hast hat das Ausziehen lediglich 15 Sekunden gedauert.

Fazit: Der Aegis III lässt als Einsteigermodell schon erahnen, dass sich HUUB Technologie und Verarbeitung ganz groß auf die Fahnen geschrieben hat. Starke Wasserlage, angenehme Passform und gute Beweglichkeit im Wasser machen den Aegis III zu einem Wohlfühlanzug für Triathloneinsteiger.


Varman - der Allrounder

Der Varman ist der Auftriebsspezialist - gerade hier setzt HUUB auf eine Vielzahl stabilisierender Eigenschaften basierend auf dem eigens entwickelten "MAD" System (Measurement of Drag). Mit dieser technischen Einrichtung wird die Qualität der Wasserlage eines Schwimmers über die Messung seiner Widerstandsfläche und der Zugeffizienz ermittelt. (Zum Video)

So schnell ist der Varman:

Die Zeitersparnis ergab im Schnitt 9 Sekunden auf 100m im Vergleich zur Referenzzeit ohne Neo. Die 400m Zeit mit dem Varman lag insgesamt 37 Sekunden unter der Referenzzeit ohne Neo.

 

Auf dieser Grundlage wurde dann der Varman entwickelt, um den Wasserwiderstand des Schwimmers so gering wie möglich und die Zug- und Gleitphase so groß wie möglich zu gestalten. Damit spricht der Varman in erster Linie Schwimmer an, die ein großes Maß an Auftrieb und Stabilität bevorzugen - gerade auf den längeren Triathlondistanzen. Beim Anziehen des Neos fielen uns sofort die seitlichen Stabilisierungelemente auf: ein Streifen deutlich festeren Materials an den seitlichen Oberschenkeln. Dieser Streifen soll die Längsachse stabilisieren, Überrotation und Verwringung vermeiden. Diese seitliche Stabilisierung hebt sich deswegen so hervor, weil das Material des Varmans über den gesamten Anzug sehr weich und geschmeidig wirkt. Daher gestaltete sich auch das Anziehen sehr unkompliziert - trotz nassen Körpers. Im Wasser dann sofort die Bestätigung: der Neo drückt die Beine massiv nach oben, stärker noch als beim Aegis III. Grund dafür ist das von HUUB entwickelte "+43 Neopren". Diese Technologie ermöglicht laut Hersteller 43% mehr Auftrieb bei gleicher Materialstärke. Ob es nun wirklich 43% sind, lässt sich natürlich schwer beurteilen. Allerdings ist die auftriebsfördernde Wirkung deutlich spürbar. Zusätzlich macht sich die Längsachsenstabilsierung bemerkbar. Die Rotationsbewegung wird durch die seitlichen Materialverstärkungen begrenzt und ist nur eingeschränkt möglich. Im Ergebnis liegt man sehr flach und geradlinig auf dem Wasser. Unter diesen starken Eindrücken standen die Arme und Schultern zunächst gar nicht im Fokus der Aufmerksamkeit, sondern haben automatisch Zug für Zug absolviert. Ein gutes Zeichen, da hierbei keine Einschränkungen oder Unannehmlichkeiten festzustellen waren. Lange Züge, entspannte Gleitphasen - der Anzug liegt wie ein Brett auf dem Wasser. Zunächst fiel es jedoch schwer, die Beine im Wasser zu halten. Auf längeren Strecken und bei abnehmender Zugeffizienz hilft der Anzug jedoch die Wasserlage auf einem konstant hohen Niveau zu halten. Die Schwimmzeit war im Vergleich zum Aegis III auch noch einmal schneller.

Fazit: im Vergleich zum Aegis III ein deutlicher Qualitäts- und Technologiesprung. Der Varman richtet sich an alle Triathleten mit Bedarf an hohe Auftriebs- und Stabilitätseigenschaften. Das flexible Material macht den Anzug gerade im Hinblick auf lange Distanzen zu einem zuverlässigen Garant für eine effiziente Schwimmlage.


Brownlee Agilis - das Topmodell

Der Agilis ist das Ergebnis einer zweijährigen Entwicklung- und Testphase in Zusammenarbeit mit den Brownlee-Brüdern. Dabei standen zwei Ziele im Mittelpunkt:     1. uneingeschränkte Armfreiheit,                 2. Auftriebsverhalten, das über lange Strecken verlustfrei gewährleistet wird. Gerade hier flossen die Erkenntnisse des "MAD"-Systems in die Konzeption des Anzugs ein.

So schnell ist der Agilis:

Die Zeitersparnis ergab im Schnitt ebenfalls 9 Sekunden auf 100m, allerdings gefühlt noch etwas weniger angestrengt. Der Agilis war auch der zuletzt getestete Neo, d.h. unter Vorbelastung wurden hier diese Werte erreicht. Die 400m Zeit mit Neo lag insgesamt 36 Sek. unter der Referenzzeit.

Zunächst vorab: beide Ziele setzt der Agilis auf eindruckvolle Weise um! Die Bewegungsfreiheit des Anzugs setzt Maßstäbe - es fühlt sich beim Schwimmen so an, als hätte man Nichts an den Armen oder in der Schulter. Das Material ist so enorm beweglich, dass man den einen Widerstand quasi nicht wahrnimmt. Das macht sich natürlich schwimmerisch in Form einer ausgezeichneten Gleitphase und Körperstreckung bemerkbar. Der Auftrieb wirkt stark und ist gefühlt etwas gleichmäßiger verteilt als beim Varman. Auch hier kommt das "+43" Material zum Einsatz und sorgt für eine konsequent flache Wasserlage zur Widerstandsminimierung auch auf langen Schwimmstrecken. Allerdings verzichtet der Agilis bewußt auf die seitlichen Stabilisierungsleisten und spricht damit eher Schwimmer mit einer stabileren Wasserlage an. Bewegungs- freiheit ohne Kompromisse ist das übergeordnete Motto bei diesem Neoprenanzug. "There is no faster wetsuit.", beansprucht HUUB selbstbewußt für sein Topmodell. Entscheidend ist jedoch immer derjenige, der im Neo drinsteckt, ABER: nach diesem eindrucksvollen Test müssen andere Neos erst einmal das Gegenteil beweisen.

Fazit: der Agilis ist zurecht das unangefochtene Spitzenmodell von HUUB. Passform, Schwimmeigenschaften, Flexibilität sind außergewöhnlich gut, das Material top verarbeitet - ein Neo für neue Bestzeiten im Wasser.  

Teste die HUUB Modelle selbst bei der großen Neoprentest-Tour 2020

Alle Termine findest Du hier in der Übersicht:

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