Problemstellen beim Radfahren: Nacken und Schultern

Autor: Anton Baumann

Beim Radfahren sind Nackenschmerzen für viele Sportler "Normalzustand". Doch woher kommen die Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich? Im folgenden Beitrag liefern wir euch die Antworten.

Hals und Nacken

Im letzten Beitrag über Rückenprobleme haben wir euch die große Auswirkung der Sitzhaltung auf die Belastung der Wirbelsäule bereits geschildert. Diese setzt sich natürlich in unsere heutige Thematik weiter fort. Auf dem Rad kommt es in der Regel zu einer Hyperlordose der Halswirbelsäule (HWS), d.h. sie knickt aufgrund der Kopfhaltung stärker nach hinten ab. Durch diese statische Haltung sind die Muskeln im Nacken/Schulterbereich permanent kontrahiert, um die Halswirbelsäule und damit die Kopfhaltung zu stabilisieren. Diese dauerhafte Anspannung wird dann auf Dauer als schmerzhaft empfunden - vor allem, wenn Nacken und Schultermuskulatur wenig daran gewöhnt sind. In der Rennradposition ist also durch die sportlichere Oberkörperbeugung nach vorn eine solche Grundspannung in der Tat "normal" - an diese müssen sich vor allem Anfänger zunächst gewöhnen. Aber auch hier spielt die Gesamtheit der Sitzposition eine große Rolle, um zusätzliche Fehlbelastungen zu vermeiden.  

Ein weiterer Aspekt: Stöße von der HWS in dieser Position nur sehr schlecht kompensiert werden und deshalb kann es punktuell zu sehr hohen Belastungen auf einzelne Wirbelkörper kommen.

Schultern

Hierbei ist vor allem die nach vorn orientierte Gewichtsbelastung ausschlaggebend und hängt stark vom Grad der Überhöhung - also der Höhendifferenz zwischen Sattel und Lenker - ab. Sie entscheidet, wieviel Gewicht des Oberkörpers auf dem Lenker liegt - und damit von Armen und Schultern aufgenommen werden muss. Je größer der Höhenunterschied, umso mehr Haltearbeit muss hier geleistet werden. Eine tiefe, aerodynamische Sitzhaltung stellt also sehr große Ansprüche an die spezifische Haltemuskulatur des Fahrers, auch die Schultern müssen sich an eine andauernde Belastung gewöhnen. Dabei gibt es jedoch zwei Wege, um die Schultern größtmöglich zu entlasten. 1. eine gut ausgeprägte Rumpfmuskulatur bewirkt, dass der Oberkörper sich selbst viel besser in einer vorgebeugten Position halten kann und damit weniger Gewichtsbelastung insgesamt nach vorn ausgeübt wird. 2. Die Sitzposition insgesamt entscheidet natürlich auch über die Belastungsverteilung zwischen Sattel und Lenker, den Grad der Überhöhung und der gesamtheitlichen Qualität der Fahrposition. Daher sollte die Überhöhung immer in Verbindung mit den anderen Einstellungen betrachtet und immer an die körperlichen Grundvoraussetzungen des Athleten individuell angepasst werden.

Abb. 1: Problemstelle Nacken/Schulterbereich


Abb. 2: starke Überhöhung


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