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Blog #6: Harter Cut  

18.10. - Race Day! Eigentlich wollte ich an diesem Tag an der Startlinie des Dresden Marathons stehen und eigentlich wollte ich dort auch das Projekt "Unter 2:40" mit einer neuen Marathonbestzeit krönen. Eigentlich! Doch erstens kommt es anders... Was ist passiert? Der Reihe nach!

 

 

21 Km Formtest beim KnappenMan

Am 29. August ging es beim KnappenMan Triathlon das erste Mal wieder in den Wettkampfmodus. Der schnelle Triathlon in der Lausitz war einer der wenigen Veranstaltungen, die überhaupt stattfinden konnten - vom Sprint bis zur Langdistanz waren hier alle Formate vorhanden (tolle Location, hervorragende Organisation, sehr empfehlenswert). Ich hatte mich als Staffel-Läufer für die Mitteldistanz "verkauft" und wollte die 21 Km als Formtest und Standortbestimmung nutzen. Meine Staffelkollegen waren sehr gute Freunde aus der Trainingsgruppe rund um Triathlonprofi Markus Thomschke. Daher der klare Leistungsanspruch: aufs Podium. Meine Minimalziel war es, unter 1:20h zu bleiben.  

Lange Rede, kurz erzählt: mit 1:17:42h konnte ich meine Form gut auf die flache Laufstrecke bringen, die mit 20,5 Km allerdings nicht ganz Halbmarathon-Norm erfüllte. Dennoch, Ziel erreicht. Zweiter Platz für unsere Staffel, ich war (auch mit meiner Laufleistung) zufrieden. Für die kommenden Wochen wollte ich dann diese Tempohärte auf die doppelte Distanz ausweiten. So weit, so gut. Doch dann kam der harte Bruch. 

Zum Einen hatte sich schon angedeutet, dass der Dresden Marathon am 18.10. corona-bedingt abgesagt wurde. Alternativen gab es kaum noch. Um Bestzeit zu laufen, braucht es ein "schnelles Pflaster", d.h. einen größeren Stadtmarathon. Kleinere Laufveranstaltungen über Stock und Stein kamen daher nicht in Frage. Einzig der Magdeburg Marathon war zu diesem Zeitpunkt noch verblieben, doch auch wenige Tage später fiel auch der den schwierigen Umständen in diesem Corona-Jahr zum Opfer... Für die Motivation nicht so toll, aber ich wollte mir etwas einfallen lassen. Vielleicht sogar einen selbst organisierten Trainingsmarathon? Einige Trainingskollegen waren natürlich ebenso von den Absagen betroffen und schlugen ein kleines, exklusives Marathonevent auf dem Tempelhofer Feld (ehem. Berliner Flughafen, jetzt Freizeitgelände) vor. Doch noch bevor die Idee konkreter werden konnte, wurden bei mir alle Planungen über den Haufen geworfen.

Anfang September brach eine ganze Lawine beruflicher und persönlicher Herausforderungen über mir ein, die mir innerhalb kurzer Zeit unheimlich viel Energie aus Kopf und Körper saugten. Es vergingen die Tage, ohne einen Kilometer gelaufen zu sein - gerade in der heißen Phase, in der es heißt die Umfänge auf 80/90/100 Kilometer pro Woche hochzuschrauben. Anfangs dachte ich noch, ich könne das Projekt etwas weiter nach hinten hinausschieben, doch mit jedem Tag wurde immer klarer, dass dieses Vorhaben in 2020 unrealistisch geworden ist. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich sagen: Shit happens. Haken dran, der Blick geht nach vorn!

Wie geht's jetzt weiter?

Das Projekt "Unter 2:40" ist nicht tot! Ich habe gesehen, was machbar ist und möchte die Form nicht komplett wieder in den Keller zurückfallen lassen. Stattdessen im kommenden Jahr mit neuen Kräften einen neuen Anlauf nehmen. Mit einer aktuell anstehenden zweiten Corona-Welle und der Ungewissheit, wie sich die kommenden Monate gestalten, habe ich mir eine längerfristig strukturierte Herangehensweise überlegt, wie ich sie auch normalerweise als Trainer bei jedem Athleten praktiziere: trainingsperiodischer Aufbau über den Winter in die Saison 2021 hinein, die dann ab dem Frühjahr hoffentlich wieder etwas "normalere" Formen annehmen kann. Die meisten Athleten, die ich kenne, haben ihre Startplätze für die verschiedenen Events auf das nächste Jahr übertragen. Wir drücken alle die Daumen!

Daher möchte ich den Trainingsblog neu auflegen, in dem ich einerseits noch mehr auf die übergeordnete Strukturierung des Trainings (Periodisierung, allg. Trainingsprinzipien) eingehen und andererseits ganz konkrete Trainingsinhalte in den einzelnen Phasen darstellen möchte.

In diesem Sinne drücke ich uns allen die Daumen für die kommenden Wochen und Monate - seid vernünftig, bleibt gesund!