Problemstellen beim Radfahren: der Hintern

Der Kontaktpunkt "Sattel - Hintern" ist für viele Sportler(innen) der sensibelste Bereich, da hier die größte Gewichtsbelastung auf druckempfindliches Gewebe ausgeübt wird. Dabei wird diese Kontaktstelle von vier Faktoren beeinflusst: der individuellen Gesäßanatomie, der Radhose, dem Sattel und der Sitzposition.

Zunächst betrachten wir die Anatomie des Beckens (Abb. 2), da oftmals die verschiedenen Teile des Beckens unterschiedlich druckempfindlich sind und durch falsche Gewichtsverteilung auf dem Sattel überlastet werden können. Die Sitzbeinhöcker sind der unterste Teil des Beckens sind anatomisch dafür ausgelegt, das Körpergewicht beim Sitzen aufnehmen.

Abb. 2: Anatomie Becken

Die Knochenhaut der Sitzbeinhöcker, welche bei Rennradanfängern während der ersten längeren Radausfahrten noch zu Schmerzen führen kann, gewöhnt sich ziemlich schnell an die Sitzbelastung. Die Schambeinäste sind die knöcherne Verlängerung der Höcker und laufen mittig im Schambeinbogen zusammen (Abb. 2). Die Schambeinäste sind deutlich drucksensibler und sollten nur dosiert gewichtsbelastet werden.

Zwischen den Schambeinästen verläuft der sogenannte Dammbereich, einer weichen Gewebestruktur, das von vielen Blut- und Nervenbahnen durchzogen ist. Die Schambeinäste laufen im sog. Schambeinbogen zusammen, bestehend aus Knorpel- und Bindegewebe. Das weiche Gewebe von Schambeinbogen und Dammbereich sollte am besten gar nicht belastet werden, doch genau daher rühren die meisten Sitzprobleme. Meistens kommt von Belastungen im Dammbereich ein Taubheitsgefühl, da die dort verlaufenden Nervenbahnen gequetscht werden. Der anatomische Unterschied zwischen Mann und Frau ist der Sitzbeinhöckerabstand und die Schambeinhöhe. Frauen sollten einen etwas breiteren Sattel mit zentraler Aussparung wählen, da der Sitzbeinhöckerabstand größer und der Schambeinbogen nicht so hoch ist. Jedoch muss erwähnt werden, dass die Abstände von Mensch zu Mensch natürlich stark variieren.

Problemursachen

Sattel und Sitzposition: Es gibt per se keinen falschen Sattel, es gibt nur unpassende Sättel für deine Sitzposition und Beckenanatomie. Sattel und Sitzposition gehen Hand in Hand, denn die Belastung auf die verschiedenen Teile des Beckens variieren je nach Sitzposition. Je aufrechter die Sitzposition, umso mehr liegt die Gesamtbelastung auf den stabilen Sitzhöckern, zumeist ohne Schmerz- oder Taubheitssymptome. Je stärker die Sitzhaltung jedoch nach vorn gebeugt ist (Abb. 3), umso mehr kippt das Becken nach vorn ab und der Druckbereich verlagert sich von den Sitzbeinhöckern auf die Schambeinäste und den Dammbereich.

Abb. 3 Rennrad Sitzposition


Abb. 4 Aerodynamische Sitzposition

Dieser Effekt ist bei sportlichen Sitzpositionen auf dem Rennrad bzw. in der aggressiven Aeroposition (Abb. 4) normal, da durch eine tiefere Haltung die Aerodynamik verbessert wird. Hier kommt nun der Sattel ins Spiel: ist der Sattel nicht für diese Sitzhaltung ausgelegt, liegen die Druckstellen genau auf der weichen Gewebestruktur. Durch permanenten Druck auf den Dammbereich können nun Schmerzen und Taubheitsgefühle entstehen. Diese können nicht nur schmerzhaft, sondern auch leistungsmindernd sein. Ein passender Sattel sollte daher einerseits die anatomischen Gegebenheiten und die Gewichtsverteilung der spezifischen Sitzposition widerspiegeln. Viele Modelle verfügen in der Mitte über eine Aussparung, damit der Dammbereich nicht belastet wird und ist am Ende so geformt, dass auf den Sitzhöckern das meiste Gewicht lastet.

Die Radhose: Die Polsterung der Radhose dient dazu, die Reibung auf dem Sattel zu reduzieren und somit Verletzungen (Scheuserstellen, Entzündugen) an den Kontaktpunkten zu vermeiden. Dabei kommt es vor allem auf die Form sowie Art und Stärke der Polsterung an. Hochwertige Einsätze verhindern Hitzestau, sind aus antibakteriellem Material gefertigt, verfügen über unterschiedlich starke Polsterung (zwischen zwei und zehn Millimeter) und sind meist nahtlos gefertigt. Weiterhin sind die Polsterungen frauenspezifischer Radhosen sind zumeist etwas breiter und berücksichtigen die anatomischen Unterschiede im Gesäßbereich. Hier hilft in der Regel nur eine andere Radhose, falls Du Dich in Deiner Radhose nicht gut aufgehoben fühlst.

Doch nur in den wenigsten Fällen hängen Schmerzen oder Taubheitsgefühle mit einer falschen bzw. falsch sitzenden Radhose zusammen. Die Hauptursache steht vielmehr in Zusammenhang mit der Belastungsverteilung auf dem Sattel.

Fazit:

Da die perfekte Sitzposition mit passendem Sattel von viele Faktoren abhängt und die anatomischen Vorraussetzungen bei jedem Menschen anders sind, kann die ideale Sitzposition und den dafür am besten geeigneten Sattel ohne professionelle Hilfe nicht bestimmt werden. Deshalb empfehlen wir ein Bike Fitting, damit du mit den perfekten Vorraussetzungen in die neue Triathlonsaison starten kannst. Bei unserem Bike Fitting bieten wir dir sogar verschieden Sättel zum testen an, damit auch Du den perfekten Sattel für deine Sitzposition findest.


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